Von wo auch immer Sie nach Kalkhorst, in das Herz des Klützer Winkels, kommen - den Weg weist Ihnen der Schieferturm von Sankt Laurentius. Und welche Straße auch immer Sie durch den Ort nehmen - sie führt Sie zur Dorfkirche.

Seit dem 13. Jahrhundert steht die Kirche an ihrem Platz. Einer Legende nach verdankt sie ihren Bau einem Ritter, der auf der nahen Ostsee in Seenot geriet und schwor, dort eine Kirche bauen zu lassen, wo er seinen Fuß an das rettende Ufer setzen werde. Das Meer verschonte ihn - und Kalkhorst bekam seine Kirche.

Die Backstein-Kirche selbst erzählt eine verwickelte Entstehungsgeschichte. 1230 wird Kalkhorst als "Paochia", als Pfarre mit Kirche, im Ratzeburger Zehntregister erstmals erwähnt. Vom ursprünglichen Bau steht heute noch die Westwand, an die etwa Mitte des 13. Jahrhunderts ein Turm angefügt wurde. Kurz darauf erfolgte der Neubau des Kirchengebäudes in seiner heutigen Form als dreischiffige Stufenhalle. Das Langhaus erhielt eine neue Ausrichtung nach Osten, der Turm steht seitdem schräg zur Kirchenachse. Mitte des 14. Jahrhunderts wurden der Turm erweitert und, erkennbar an einer Grabinschrift aus dem Jahr 1367, der polygonale Chor erneuert. Von den im 19. Jahrhundert entstandenen Anbauten ist nur einer an der Nordseite erhalten.


Während das Äußere von Sankt Laurentius in seiner Schlichtheit einer Dorfkirche entspricht, lässt das Innere an den Reichtum einer Stadtkirche denken. Für den Besucher, der die Kirche durch die Eingangshalle im Süden betritt, gibt es viel zu entdecken.

Den Chorraum im Osten dominiert der barocke Altar aus dem Jahr 1708, dessen Zentrum jetzt eine Darstellung des auferstehenden Christus bildet. Zwei korinthische Säulen tragen einen Aufsatz mit dem Gemälde der Grablegung Jesu. Darüber befindet sich ein Feld mit den hebräischen Schriftzeichen des Gottesnamens Jahwe. Figuren der vier Evangelisten, der Könige David und Salomo und - ganz oben auf der Spitze - der triumphierende Christus, verzieren den Altar.

Die Westwand füllt die Orgel, deren barocker, mit einem Rankenschnitzwerk verzierter Prospekt aus dem Jahr 1732 stammt. Die Orgel selber datiert von 1869.

An einem südlichen Pfeiler des Mittelschiffs befindet sich die Kanzel mit Schalldeckel, gleichfalls ein Werk im Barockstil aus dem Jahr 1714. Von ihr blicken, was in dieser Kombination sehr selten zu finden ist, Figuren des alttestamentlichen Hohenpriesters Aaron und des neutestamentlichen guten Hirten auf die Gemeinde.

In den Seitenschiffen zeugen die erhaltenen Emporen aus den Jahren 1714/15 von den eingepfarrten Gütern. An den Emporen und über den Bögen des Mittelschiffs finden sich die Wappen der ehemaligen Besitzerfamilien.

Bei der letzten umfassenden Restaurierung des Innenraums im Jahr 1892 (!) kamen spätgotische Malereien aus dem 14./15. Jahrhundert neu zum Vorschein.

Von sechs Gewölbekappen des Chors sind fünf mit Gemälden gefüllt. Das zentrale, östliche Feld bildet die Auferstehung der Toten ab, den Ruf der Engel zum jüngsten Gericht und Christus als thronenden Weltenrichter, aus dessen Mund zwei Schwerter ragen und dessen Füße auf der Weltkugel ruhen. Die sich südlich anschließende Kappe zeigt die Wanderung der Seligen zu den Toren des himmlischen Jerusalem, die sich nördlich anschließende enthält die Wanderung der Verdammten in den Höllenrachen und drei Teufel als ihre Treiber. Das im Norden gelegene Feld stellt die Auferstehung dar; im gegenüberliegenden Feld ist die Dornenkrönung zu sehen.

Auch in den Seitenschiffen und an den Pfeilern finden sich eine Reihe Gemälde. So zeigt eine Darstellung am südwestlichen Pfeiler des Mittelschiffes den Namenspatron Sankt Laurentius.

Sankt Laurentius starb im dritten Jahrhundert als Diakon der christlichen Gemeinde in Rom den Märtyrertod: Der Kaiser hatte ihn zwingen wollen, Gut und Habe der Gemeinde ihm auszuliefern. Laurentius aber verteilte allen Besitz an die Armen in Rom und stellte anschließend diese Menschen dem Kaiser als den Schatz der Kirche vor. Die Kirche Sankt Laurentius in ihrer architektonischen Vielfalt und mit ihrer reichen Innenausstattung war aufgrund schwerer konstruktiver Schäden an Schiff und Chor stark gefährdet: Wände und Stützpfeiler weisen beträchtliche Schiefstellungen auf, im tragenden Mauerwerk und in den Gewölben hatten sich Risse gebildet, die Statik des Dachtragwerks zeigte Mängel auf, Gemäuer und Innenausstattung waren durch echten Hausschwamm und tierischen Schädlingsbefall in ihrer Substanz bedroht.

Deswegen mussten dringend Maßnahmen zur Bestandssicherung durchgeführt werden. Zunächst erfolgte die Sicherung und Sanierung der einsturzgefährdeten Kreuzrippengewölbe im südlichen Seitenschiff sowie der Dachkonstruktion.

Es folgte die Instandsetzung der Bausubstanz, aber noch nicht die Restaurierung der Innenausstattung. Nachdem die ersten beiden Sanierungsabschnitte erfolgt waren, wurde der Kirchturm saniert.


Für diese erhaltenden Maßnahmen wurden Kosten in Höhe von 600.000,- Euro
veranschlagt.

Die nächsten Projekte zur Erhaltung der Kirche sind die Restaurierung der Orgel (2008) und die Bekämpfung des Holzwurms in den Kirchenbänken.

Unsere evangelische Kirche Sankt Laurentius